Lifestyle
Jan 27, 202110 Minute/n Lesedauer

Beauty im Homeoffice – Ein Interview mit Loni Baur.

von Giulia Ricci

Gammellook im Homeoffice? Mitnichten! Ein Blick in die Klarna Daten verrät: In den ersten vier Tagen diesen Jahres kauften die Deutschen dreimal so viele Kosmetikartikel (+211 %) wie zur selben Zeit im vergangenen Jahr. Im November und Dezember shoppten sie doppelt so viel Make-up (+112 %) wie durchschnittlich in den anderen Monaten des Jahres. Beauty-Produkte sind also, obwohl – oder gerade weil – wir mehr zu Hause sind, gefragter denn je.

Wir haben diese Entwicklung zum Anlass genommen, um uns mit Make-up Artist und Expertin Loni Baur zu dem Thema auszutauschen.

Loni erklärt uns, warum Schminke und Pflegeprodukte gerade im Lockdown und Homeoffice eine so hohe Relevanz haben und wie sich Beauty-Rituale auf unsere Psyche auswirken. Außerdem sprechen wir mit der Expertin darüber, wie wir Farbtöne beim Onlineshopping aus der Ferne ausprobieren und die für uns richtigen Texturen ausfindig machen können. Neben Tipps für den perfekten Look zum Videocall (Spoiler: es bedarf weder vieler Produkte noch viel Zeit) hat Loni Tricks, um die Durststrecke der geschlossenen Kosmetikstudios zu überbrücken und die Salon Treatments nach Hause – quasi zwischen Mails und Calls – zu verlegen.

Let’s start with the basics: Welche Tipps hast du für das Onlineshopping von Make-up und Beauty-Produkten?

Loni Baur: ​Beim Onlineshopping von Make-up muss man auf die Details achten – es ist fast wie Vokabeln lernen, nur, dass es mehr Spaß macht! Ich kann ja nicht wie im Laden einfach zugreifen und ausprobieren.
Als erstes schaue ich auf die Textur – egal, ob es um Lidschatten, Foundation oder Blush geht. Cremig, flüssig oder pudrig – was ist ideal für mich? Bei eher fettiger Haut halten pudrige Texturen besser – gleichzeitig sind wir momentan aber auch viel drinnen, da ist die Luft trocken und so dann auch die Haut. Cremige Texturen halten und geben mehr Feuchtigkeit. Flüssige Texturen decken bei Foundation und Blush weniger, werden aber meist mit den Fingern nur aufgetupft und sehen dadurch sehr natürlich aus.
Nach der Textur geht’s an das Finish: perlig, matt, glitter? Schau genau auf die Bezeichnung – es gibt so viele Abstufungen, speziell bei Lidschatten und Lippenstiften. Bei Lidschatten gilt die Faustregel: Matte Texturen geben die Form, glänzende Texturen sorgen für einen 3-D Effekt und heben Partien hervor.

Vor welchen Herausforderungen stehen Shopper*innen hinsichtlich der Farbwahl bei Lidschatten oder Lippenstift und welche Tipps hast du?

Loni Baur:​ ​Wir kennen es schon vom Einkaufen im Laden, beim Onlineshopping ist es noch schwieriger: So wie die Farben in der Tube scheinen, wirken sie nicht unbedingt auf der Haut. Viele Onlinestores haben schon Bilder von Swatches, also Tragebilder eines Produktes auf dem Handrücken oder am Auge, damit Konsument*innen die Farben besser einschätzen können. Ich empfehle aber, gerade bei kräftigen Tönen für Lippen und Augen, zusätzlich Swatches zu googeln. Das dauert nur wenige Minuten und man sieht, wie die Produkte auf unterschiedlichen Hautfarben wirken.

Auf geschriebene Bewertungen würde ich hingegen weniger schauen. Jede*r hat andere Vorstellungen, gerade bei dekorativer Kosmetik.

Besonders wichtig ist der passende Farbton bei der Foundation. Wie findet man hier die beste Farbnuance?

Loni Baur:​​ Das ist natürlich die absolute Königsdisziplin. Das Wichtigste ist erstmal, die eigene Hautfarbe zu kennen: Habe ich einen kühlen oder warmen Hautunterton? Das kannst du so herausfinden: Decke die Haare mit einem weißen Handtuch ab und stelle dich vor eine weiße Wand – probiere einmal Silber, einmal Goldschmuck an, mach ein Selfie – was sieht besser aus? Gold​ ​bedeutet warm, Silber kühl. Beides sieht gleich toll aus? Dann bist du neutral. Jetzt kannst du bei vielen Labels sortieren, denn die Namen der Produkte sind oft mit einem “warm”, “cold” oder “neutral” versehen oder einer Beschreibung, in der dies steht. Als nächstes geht’s um die Helligkeit. Meist ist es so: Je niedriger die Nummer, desto heller der Ton. Schau am besten auf deinen Unterarm: Ist er sehr hell, hell, mittel, dunkel, sehr dunkel? Du kannst also die Foundation Range in etwa fünf Partien teilen.

Was hier auch noch eine Rolle spielt ist, in welchem Licht du das Make-up tragen wirst. Im Zoomcall? Dann schau dir deinen Hautton auch in diesem Licht an! Ich schminke mich eigentlich immer im Tageslicht – dann bin ich auch für alle anderen Gelegenheiten gewappnet.

Und noch ein Tipp: Wenn du dir bei der Farbwahl nicht sicher bist, investiere in zwei Töne – im Winter mixt du den helleren mehr hinein, im Sommer den dunkleren.

Winterzeit = Heizungszeit, auch im Homeoffice. Welche Tipps hast du, um der trockenen Luft entgegenzuwirken?

Loni Baur:​ H​ier ist Feuchtigkeit der Schlüssel zum Glow. Der Vorteil: Gerade im Homeoffice ist man ja oft für sich. Sprich: Warum nicht in der ersten Email-Runde am Morgen mit einer Maske starten? Oder den Massage-Roller neben der Tastatur für die Pause bereit halten? Es guckt ja jetzt keiner zu!
Die Investition in einen Luftbefeuchter lohnt sich auch. Das klingt zwar „nerdig“, macht aber schon nach ein paar Tagen einen Unterschied.
Am besten sieht man immer aus, wenn man sich gut fühlt – und dafür sind auch Düfte wichtig. Öle, Duftkerzen, Diffuser, die entspannen oder beleben, lassen uns noch ein bisschen mehr von innen strahlen.

Bleiben wir beim Homeoffice – wie können wir uns für den Videocall am besten in Szene setzen?

Loni Baur:​ I​n Videocalls ist es schöner, wenn die Foundation nicht zu deckend ist, weil es schnell maskenhaft wirkt und die Computerkameras eh ein wenig filtern. Außerdem setze ich bei virtuellen Meetings auf intensive Lippenstift-Töne: Man wirkt sofort „polished“, ohne großen Aufwand. Draußen lässt man den Lippenstift ja gerade eher weg. Sprich: Zu Hause hat er jetzt endlich wieder einen großen Auftritt.

Generell hat man übrigens bei allem, was richtig Farbe hat, schon ohne großen (Schmink-)Aufwand eine tolle Wirkung. Lippenstift, Blush, Lidschatten können uns sofort frisch, sinnlich, edgy aussehen lassen – ohne, dass es viel Zeit oder Produkte braucht. Ein rosafarbener Eyeshadow, ein neonpinker Lidschatten oder peach Blush – das dauert nur ein paar Minuten und schon ist das Gesicht verwandelt.

Und nicht vergessen: Im Videocall sieht man auch oft die Hände – je nach Temperament mehr oder weniger. Also: Hände eincremen, Nagelhaut pflegen – ein paar Tropfen Öl ziehen beim Tippen ja schnell ein.

Laut unserer Klarna Daten sind die Deutschen aktuell an Schminke und Beauty-Produkten interessierter denn je. Welche psychologischen Auswirken können sie auf uns und unsere Laune haben?

Loni Baur:​ ​Schminken und Pflegen sind wie Rituale – und Rituale geben ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, gerade jetzt, wo alles unplanbar scheint und der Alltag sich verändert hat. Beauty-Routinen geben da Halt. Nicht nur, weil sie äußerlich schön machen können, sondern weil sie ein fester und freudebringender Bestandteil des Alltags sind.
Klar kommt Ausstrahlung erstmal von innen, aber gerade Make-up verleiht ein gewisses positives Gefühl. Roter Lippenstift, ein wenig Wimperntusche – das ist, als würde man von Hausschuhen in Lackschuhe schlüpfen. Hausschuhe sind natürlich auch toll, aber manchmal tut ein bisschen Extravaganz gut. Und: beim Make-up haben wir selbst die Kontrolle und können unser Aussehen so verändern, wie WIR wollen. Keine Pandemie, kein Gesetz hält uns ab, uns schön zu fühlen!

Last but not least: Die Kosmetikstudios bleiben leider vorerst geschlossen. Mit welchen Hacks holen wir uns ein wenig Beautysalon ins Homeoffice?

Loni Baur: Auch wenn wir die Schönheitssalons nicht ersetzen können oder überhaupt wollen, gibt es durchaus ein paar einfache Tricks, die ein bisschen Wellness nach Hause bringen.

1. Wimpernwelle
Damit der Schwung länger hält und noch intensiver wird, föhne die Wimpernzange leicht an. Sie sollte nicht glühen, aber warm sein. Biege damit die Lashes. Die Technik verhält sich ein bisschen wie mit den Lockenstab und die Form hält viel länger!

2. Facial
Ich bin Make-up-Artist – wenn ich auf Shows Models schminke, kommen sie oft übermüdet vom Airport, sollen aber wie vom Beach-Urlaub aussehen. Also fake ich mit Make-up quasi ein Facial! Die Haut soll schön dewy aussehen, prall, strahlend. Dafür mixe ich einen Hauch flüssigen Highlighter oder Bronzer in eine Feuchtigkeitspflege, decke nur Rötungen mit Concealer ab und setze Highlights mit Vaseline oder einem transparenten Balm auf Wangenknochen, Nasenrücken und die Lider. Brauen bürsten, ein wenig rosigen Blush auf die Wangen – voilá! Das funktioniert auch für zu Hause.

3. Brauen formen
Das klappt wunderbar mit den richtigen Tools – ob Stift, Pomade oder Puder ist hierbei Geschmacksfrage. Wichtig ist, dass nicht am Anfang der Braue zu viel Farbe hängt. Das machen viele falsch, weil sie hier mit dem Schminken ansetzen. Lieber aus der Mitte heraus verblenden. Ich verwende hierfür Puder und fixiere dann mit Gel.

4. Lash Extensions
Stäube Puder auf deine Wimpern und benutze dann Mascara – das Puder verdickt die Härchen und sie wirken viel voller. Der Effekt hält natürlich nur bis zum nächsten Abschminken, ist aber auch viel schonender für Wimpern als die „echten“ Extensions.

Vielen Dank!

Über Loni Baur

Als internationale Make-up Artist schminkt die Hamburgerin Loni Baur für Editorials in Hochglanzmagazinen wie Vogue und Tush, auf Fashion Shows wie von Tom Ford, Top Models und Celebrities wie Nadja Auermann und Charlene von Monaco. Mit ihrem Know-How, Expertise und Gespür supportet und berät sie Marken wie Shiseido, leitet Workshops und kreiert Tutorials. In ihrem monatlichen Newsletter teilt sie ihre Tricks und Inspirationen. Ihr Stil: Vielseitig, künstlerisch, balanciert und immer einzigartig.

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