Einblicke
Jun 5, 20207 Minute/n Lesedauer

So viel Bargeld haben die Deutschen in der Tasche

von David Zahn

Welche Bedeutung hat Bargeld in Deutschland? Und wie viel Cash tragen wir eigentlich durchschnittlich in unserem Geldbeutel? Um diese Fragen zu beantworten hat Klarna eine Online-Umfrage durchgeführt. Der Klarna Cash Index zeigt: Besonders für jüngere Menschen wird Bargeld immer unwichtiger. 

Deutschland war bisher als eine der wenigen Nationen bekannt, in der es hieß: “Cash is King”, denn die Lust der Deutschen nach Bargeld scheint seit langem ungebrochen. Während Schweden Vorreiter der bargeldlosen Gesellschaft ist und diese dort längst gelebt wird, halten die Deutschen seit jeher an ihren geliebten Scheinen und Münzen fest. 

Durch Covid-19 scheint sich das nun langsam zu ändern. Was jahrelang nicht für möglich gehalten wurde, ist durch die aktuelle Corona-Pandemie nun Realität: Vielerorts wird bargeldlos bezahlt und immer seltener an der Kasse noch das Bargeld gezückt. So hat Corona dem bargeldlosen Bezahlen in Deutschland spürbaren Auftrieb verliehen. 

Welche Rolle spielt Bargeld also tatsächlich noch für die deutsche Bevölkerung? Um diese Frage zu beantworten, hat sich Klarna im Rahmen einer Online-Befragung intensiv mit dem Verhältnis der Deutschen zum Bargeld auseinandergesetzt. Der Klarna Cash Index fragt ab, wie viel Bargeld die Deutschen noch bei sich tragen und inwieweit dieses beim Bezahlen im Einzelhandel überhaupt noch genutzt wird. Die Erkenntnisse geben ein konkretes Bild über die Bargeldnutzung in Deutschland – wobei je nach Region, Alter und Geschlecht starke Unterschiede auffallen.

Die Ergebnisse der Studie auf einen Blick: 

89,22€ trägt durchschnittlich jeder Deutsche bei sich 

Auch wenn nicht zuletzt durch die Corona-Krise bargeldlose Bezahlmethoden auf dem Vormarsch sind, tragen die Deutschen nach wie vor Bargeld mit sich – und zwar im Schnitt genau 89,22€. Und auch zwischen den Geschlechtern gibt es große Unterschiede. Männer haben im Schnitt 104€ bei sich, während Frauen mit 75€ weit weniger Bargeld mit sich tragen.

Je älter die Befragten werden, desto wichtiger scheint Bargeld: Die Gruppe der über 55-Jährigen trägt mit rund 98€ durchschnittlich das meiste Bargeld in der Tasche.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern – Schleswig-Holstein ist beinahe cashless

Auch zwischen den einzelnen Bundesländern herrschen große Unterschiede. So haben das meiste Bargeld bei sich:

  • Niedersachsen mit 124€ 
  • Saarländer mit 121€ 
  • Baden-Württemberger mit 105€ 

Am wenigsten Bargeld im Portemonnaie haben die Bewohner von: 

  • Berlin mit 57€
  • Thüringen mit 56€
  • Schleswig-Holstein mit 53€

Weniger als die Hälfte der Einkäufe im Einzelhandel werden noch mit Bargeld gezahlt

Bereits seit 2018 ist Bargeld nicht mehr die beliebteste Bezahlmethode der Deutschen. Erstmals haben damals Kartenzahlungen die Bargeldzahlungen überholt – und der Trend hält weiter an. Klarna fand heraus, dass im stationären Einzelhandel Bargeld immer weiter an Bedeutung verliert:

  • Ein Großteil der Befragten (56,7%) gibt an, weniger als die Hälfte der Einkäufe noch mit Bargeld zu begleichen.
  • 15,1% geben sogar an, gänzlich auf Bargeld im Einzelhandel zu verzichten.
  • So haben 29% im Einzelhandel nur 1 bis 2 und 15% gar keine ihrer letzten zehn Einkäufe mit Bargeld bezahlt. 
  • Die Gruppe der 45-54-Jährigen und der ab 55-Jährigen bezahlt noch die meisten ihrer Einkäufe (9-10 von 10 Einkäufen) bar. 

Der Geldautomat wird nur noch selten genutzt

Die Ergebnisse der Studie zeigen deutlich, wie gering der Bedarf an Bargeld ist und wie selten die Deutschen tatsächlich noch den Weg zum Geldautomaten antreten:

  • Nicht einmal 5% aller Befragten geben an, täglich (0,97%) oder mehrmals pro Woche (3.5%) Bargeld abzuheben. 
  • Insgesamt über die Hälfte der Befragten hebt nur einmal pro Monat (31%) oder sogar weniger als einmal pro Monat (20%) Bargeld am Automaten ab.

Alternativen zum Bargeld setzen sich durch

Mit der Studie wurde darüber hinaus abgefragt, ab welchem Betrag die Deutschen präferiert mit bargeldlosen Methoden, wie Karte oder per Handy, bezahlen. Dabei zeigt sich, dass die Mehrheit der Deutschen schon beim Bezahlen von mittelhohen Beträgen zwischen 11 bis 50 Euro zu bargeldlosen Bezahlmethoden greifen. 

  • Die größte Gruppe der Befragten (18%) gibt an, ihre Einkäufe ab einem Betrag zwischen 21 und 50 Euro am liebsten bargeldlos zu zahlen. 
  • In der Altersgruppe der 55-Jährigen und älter geben nur 9% an, Kleinstbeträge bis 5 Euro mit Karte zu zahlen. 
  • In dieser Altersgruppe zahlen auch die meisten Befragten (14%) erst ab Beträgen von über 100 Euro am liebsten mit Karte oder Smartphone, während die anderen Altersgruppen hier weniger zögerlich sind. 

Obwohl unser Zahlverhalten momentan natürlich auch durch Corona beeinflusst wird, wird deutlich, dass sich Deutschland insgesamt mehr und mehr vom Bargeld verabschiedet und große Schritte hin zu einer bargeldlosen Gesellschaft macht. 

Zur Methodik der Studie

Das Meinungsforschungsunternehmen Yougov hat im Rahmen einer Online Befragung im Mai mehr als 2000 Menschen in ganz Deutschland zu ihrem Umgang und ihrer Einstellung zu Finanzen befragt. Die Befragung deckte alle 16 Bundesländer ab, richtete sich zu gleichen Teilen an Männer und Frauen und erreichte Personen im Alter von 18 bis 55 und älter.