Einblicke
Jul 6, 20215 Minute/n Lesedauer

Klarna Cash Index II: Deutsche haben weniger Geld im Portemonnaie als 2020

von Meike Ostwald

Wo steht Deutschland auf dem Weg zu einer bargeldlosen Gesellschaft? Und hat die Pandemie die Beziehung der Deutschen zum Bargeld verändert? Zum zweiten Mal nach dem Auftakt in 2020 hat Klarna die Bedeutung von Bargeld für die Deutschen untersucht. Die Ergebnisse des Klarna Cash Index zeigen, dass die Menschen weniger Bargeld bei sich tragen als noch vor einem Jahr.

“Nur Bares ist Wahres” – dieses Sprichwort trifft auf kein Land so sehr zu, wie auf Deutschland. Verbraucher*innen hierzulande verbindet eine jahrelange innige Beziehung zum Bargeld, die über lange Zeit ungebrochen schien. Während in anderen Nationen, wie Dänemark oder Schweden, der Geldbeutel bereits dem Visitenkartenetui gewichen ist und fast ausschließlich mit Karte gezahlt wird, ehren die Deutschen weiterhin das Papier- und Münzgeld. Im internationalen Vergleich bildet Deutschland noch das Schlusslicht was alternative Bezahlmethoden, wie die Zahlung mit Karte oder Smartphone, angeht. Das zeigte eine kürzlich veröffentlichte, weltweit angelegte Studie von Klarna.

Allerdings ist mit Einsetzen der Pandemie ein Umdenken der Deutschen festzustellen, was ihre Liebe zum Bargeld betrifft. Dies zeigen auch in diesem Jahr die Ergebnisse des zweiten Klarna Cash Index. Im Rahmen einer Online-Befragung hat Klarna nach einem Jahr erneut erhoben, wie viel Bargeld die Deutschen im Portemonnaie haben und inwieweit sie dies beim Bezahlen im Geschäft nutzen. Die Erkenntnisse geben ein konkretes Bild über die Bargeldnutzung in Deutschland – wobei je nach Region, Alter und Geschlecht starke Unterschiede auffallen.

Die Ergebnisse der Studie auf einen Blick:

74,80 € hat jede*r Deutsche 2021 im Schnitt bei sich – knapp 15€ weniger als 2020

Während es im vergangenen Jahr durchschnittlich noch 89,22€ waren, ist der Betrag an Bargeld, den die Deutschen im Portemonnaie haben, dieses Jahr um knapp 15€ auf 74,80€ gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 16,2%. Der allgemeine Trend hin zur bargeldlosen Bezahlung wird durch dieses Ergebnis nochmal untermauert. Betrachtet man die Bargeldverteilung zwischen Männern und Frauen, fallen auch dieses Jahr Unterschiede auf: Männer tragen nach wie vor mehr Bargeld mit sich. Mit 81€ (2020: 104€) liegen sie deutlich vor den Frauen, die durchschnittlich 69€ im Geldbeutel haben (2020: 75€).

Unterschiede lassen sich auch mit Blick auf das Alter erkennen. Während junge Menschen (18-24 Jahre: 53€) am wenigsten Geld im Alltag mit sich führen, nimmt die Summe im Geldbeutel mit dem Alter zu. Die Gruppe der über 55-Jährigen trägt mit 81€ das meiste Bargeld mit sich. Aber auch hier ist eine Abnahme des Bargeldbestands zu erkennen. Im letzten Jahr gab diese Altersgruppe im Schnitt noch 98€ an.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern – Bremen überholt Schleswig-Holstein auf dem Weg zur ‘Cashless Society’

Auch zwischen den einzelnen Bundesländern herrschen große Unterschiede. Während 2020 noch Schleswig-Holstein mit 53€ das Land mit dem geringsten Bargeldvorkommen war, haben die Bremer*innen sie dieses Jahr überholt: sie tragen im Durchschnitt nur 43€ mit sich.

Am wenigsten Bargeld im Portemonnaie haben die Bewohner*innen von:

  • Bremen mit 43€
  • Sachsen-Anhalt mit 53€
  • Schleswig-Holstein mit 63€

Das meiste Bargeld ist in den folgenden Bundesländern zu finden:

  • Saarland mit 107€
  • Brandenburg mit 90€
  • Rheinland-Pfalz mit 86€

15% der Deutschen verzichten auf Bargeld im Einzelhandel

Neben dem Bargeld erfreuen sich alternative Bezahlmethoden, wie die Zahlung mit Karte, Smartphone oder gar Smartwatch im stationären Einzelhandel steigender Beliebtheit. Klarna fand heraus, dass im stationären Einzelhandel Bargeld immer weiter an Bedeutung verliert:

  • Wie auch 2020 geben 15% an, gänzlich auf Bargeld im Einzelhandel zu verzichten.
  • Bei den 18-24-Jährigen nutzt mit 20% der größte Anteil der Befragten kein Bargeld beim Einkaufen
  • Die Gruppe der 45-54-Jährigen und der ab 55-Jährigen bezahlt die meisten ihrer Einkäufe (9-10 von 10 Einkäufen) bar.

Der Gang zum Geldautomat nimmt leicht ab

Auch ein Jahr später zeigen die Ergebnisse der Studie, wie gering der Bedarf an Bargeld ist und wie selten die Deutschen tatsächlich noch den Weg zum Geldautomaten antreten:

  • Nur 4% aller Befragten geben an, täglich (1%) oder mehrmals pro Woche (3%) Bargeld abzuheben.
  • Dahingegen hat die Anzahl der Personen, die gar kein Geld abhebt (2021: 6%; 2020: 4%) oder weniger als einmal pro Monat den Geldautomat aufsucht (2021: 23%; 2020: 20%), leicht zugenommen.

Jüngere Menschen nutzen bei Kleinbeträgen vermehrt alternative Bezahlmethoden

Mit der Studie wurde wieder abgefragt, ab welchem Betrag die Deutschen präferiert mit bargeldlosen Methoden, wie Karte oder per Handy, bezahlen. Dabei zeigt sich auch dieses Jahr, dass die Mehrheit der Deutschen schon beim Bezahlen von mittelhohen Beträgen zwischen 11 bis 50 Euro zu bargeldlosen Bezahlmethoden greifen.

  • Die größte Gruppe der Befragten (16%) gibt an, ihre Einkäufe ab einem Betrag zwischen 21 und 50 Euro am liebsten bargeldlos zu zahlen.
  • Junge Menschen nutzen dieses Jahr vermehrt Alternativen zum Bargeld, vor allem bei Kleinbeträgen. 21% geben an Beträge bis 5 Euro bargeldlos zu zahlen. 2020 waren es nur 13%.
  • In der Altersgruppe der 55-Jährigen und älter geben nur 12% an, Kleinstbeträge bis 5 Euro mit Karte zu zahlen. Allerdings ist hier ein Zuwachs von 3%-Punkten zum letzten Jahr zu verzeichnen.

Die Beziehung zum Bargeld hat sich insbesondere durch die Pandemie geändert. Es ist davon auszugehen,, dass der Trend hin zu einer bargeldlosen Gesellschaft sich in den nächsten Jahren noch beschleunigen wird.

Zur Methodik der Studie

Das Meinungsforschungsunternehmen YouGov hat im Rahmen einer repräsentativen Online Befragung im Mai mehr als 2.000 Personen in ganz Deutschland zu ihrem Umgang und ihrer Einstellung zu Finanzen befragt. Die Befragung deckte alle 16 Bundesländer ab, richtete sich zu gleichen Teilen an Männer und Frauen und erreichte Personen im Alter von 18 bis 55 Jahren und älter. Extremwerte wurden bei der Auswertung der Ergebnisse nicht berücksichtigt.